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Fraktion, Gütersloh, Klimaanpassung, Innenstadt12. Aug 2026

Grün statt Grau: Wenn städtische Flächen leben lernen

Grün statt Grau: Wenn städtische Flächen leben lernen

Güterslohs Innenstadt wird grüner. Der Stohlmannplatz steht exemplarisch dafür, was möglich ist, wenn Stadtplanung auf Klimaschutz trifft. Gemeinsam mit Herrn Buddenberg und Herrn Genser von der Stadtverwaltung sowie Herrn Lakämper vom BUND haben wir als SPD-Fraktion die Umsetzungsprojekte in der Innenstadt inspiziert. Das Ergebnis: Der Stohlmannplatz ist fertig – jetzt wächst das Grün. Und die Planung geht weiter.

Stohlmannplatz: Das Projekt ist Realität

Seit November 2025 wurde der Stohlmannplatz grundlegend umgestaltet. Rund 200 Quadratmeter Asphalt sind entfernt worden, eine Fläche, die für den Mikroklima-Effekt und die Wasserversickerung entscheidend ist. Die Entsiegelung war notwendig – versiegelte Innenstadtfläche ist rar und muss sinnvoll genutzt werden.

An ihrer Stelle entsteht klimaaktive Grünfläche mit modernster Sensorik, die Wetter- und Klimadaten kontinuierlich erfasst. Diese Technologie ist Teil des Smart City Dialogs und des „Go Green" Programms der Stadt Gütersloh. Die Finanzierung erfolgte über das c-city Budget mit einer Förderquote von 65 Prozent – ein Investitionsvolumen von rund 60.000 Euro macht diesen Schritt möglich.

Was wurde konkret verändert?

Sechs bestehende Bäume blieben erhalten, bis zu vier zusätzliche Stadtbäume kamen hinzu. Vier Stellplätze und ein Stück Straße fallen weg – Platz für neue Vegetation, die jetzt nach und nach wächst. Die Ansaat braucht ihre Zeit. Wurzeldruck, Schattendruck, Trockenheit – alles Faktoren, die wir aktuell beobachten. Aber es lohnt sich. Die Kanalisation wird entlastet, der Fußweg ist jetzt übersichtlicher als zuvor. Und der Kühleffekt kommt – auch wenn er erst nach vielen Jahren für die Generationen nach uns wirklich spürbar wird.

Herr Buddenberg von der Stadtverwaltung machte deutlich: Straßenbäume in der Innenstadt kosten Geld. Für jede Pflanzung müssen mehrere Fachbereiche einverstanden sein – und genau da entstehen Zielkonflikte. In anderen Städten werden 39 Kubikmeter Boden pro Baum empfohlen, die KfW fördert 30 Kubikmeter – in der Gütersloher Innenstadt sind oft nur 5 bis 10 Kubikmeter vorhanden. Hinzu kommt die Leitungsstruktur, die das Pflanzen erschwert oder verhindert. Der Straßenbaum darf dabei nicht immer derselbe Baukasten sein – verschiedene Baumarten werden gepflanzt, um zu sehen, welche leben und welche es schwerer haben.

Berliner Platz: Funktion trifft Nachhaltigkeit

Der Berliner Platz erfüllt eine wichtige Rolle als Veranstaltungsfläche – der Gütersloher Frühling zieht tausende Besucher an. Die Frage kam auf: Warum können solche grünen Aktionen nicht länger oder dauerhaft bleiben?

Die Antwort liegt im Zielkonflikt: Nachhaltige Begrünung würde den Platz in seiner Funktion als zentrale Veranstaltungsstätte einschränken. Das ist nicht wünschenswert. Stattdessen muss über eine intelligente Randgestaltung nachgedacht werden. Die vorhandenen Bäume sind städtebaulich nicht optimal platziert, aber Potenzial für eine Gesamtbetrachtung ist vorhanden. Entsieglung ist hier nicht das Hauptthema, sondern die optimale Nutzung.

Ein weiteres Thema, das am Berliner Platz angesprochen wurde: Der sinkende Grundwasserspiegel in Gütersloh. Eine Entwicklung, die wir ernst nehmen müssen. 

Schulhof des Gymnasiums: Grüne Klassenzimmer trotz Infrastruktur

Am städtischen Gymnasium zeigte sich, was machbar ist – und wo Grenzen liegen. Herr Genser führte uns über den Schulhof: Fassadenbepflanzung, erweiterte Grünflächen, gesäte Blumenwiesen und neue Sitzplätze schaffen Räume, in denen sich Schülerinnen und Schüler aufhalten können – grüne Klassenzimmer im wahrsten Sinne.

Dabei wurde an die praktischen Anforderungen gedacht: Fuß- und Radwege bleiben nutzbar, Feuerwehr und Müllabfuhr haben Zugang. Teilweise wurde Rastenfugenpflaster verlegt, damit Wasser ablaufen kann. Bäume waren hier aufgrund der vielen Leitungen im Boden nicht möglich – ein klassischer Konflikt zwischen Infrastruktur und Natur, den wir als Herausforderung ernst nehmen.

Artenvielfalt: Platanen reichen nicht

Herr Lakämper vom BUND wies auf einen wichtigen ökologischen Aspekt hin: In Platanen nisten keine Vögel, da es sich um europäische Klimabäume handelt. Eichen wären deutlich tierfreundlicher und artenreicher. Ein Baum in Innenstadtlage kostet allerdings rund 1.500 Euro – bei mehreren Bäumen kommt man schnell auf fünfstellige Summen.

Das bedeutet: Wir müssen strategisch pflanzen und verschiedene Arten ausprobieren, um zu sehen, was wirklich gedeiht. Biodiversität ist kein Luxus, sondern essenziell für ein stabiles Mikroklima.

Vorschläge für weitere Entsiegelungen

Es wurde auch deutlich: Es gibt Potenzial für weitere Entsiegelungen. Die Baumstraße heißt zwar so, hat aber keinen Baum. Vorschläge für weitere graue Flächen folgen im nächsten Ausschuss für Umwelt und Klima. Dabei sind viele Fachbereiche involviert – und genau da entstehen Zielkonflikte. Hier darf nicht jedes Mal gegen Grünflächen entschieden werden.

Was wir daraus für den Landtag mitnehmen

Dieser Rundgang mit Herrn Buddenberg, Herrn Genser und Herrn Lakämper hat gezeigt: Städtisches Grün ist keine Frage der Verschönerung. Es ist eine Frage der Teilhabe im Alltag, der Gesundheit und der Generationengerechtigkeit. Es geht um Mikroklima, Biodiversität und Aufenthaltsqualität – und darum, wer sich in unserer Stadt wohlfühlt und wer nicht.

Drei Dinge nehme ich vorallem daraus mit:

  1. Kommunen finanziell stärken: Straßenbäume, Entsiegelung, klimaangepasste Schulhöfe – das alles kostet Geld, das den Kommunen fehlt. Die NRW SPD fordert eine Erhöhung des kommunalen Anteils an Gemeinschaftssteuern von 23 auf 26 Prozent. Direkte Mittel statt komplizierter Förderanträge.
  1. Grün als Querschnittsthema: Zielkonflikte zwischen Fachbereichen dürfen nicht immer zulasten von Grünflächen gelöst werden. Nachhaltigkeit muss in allen Ausschüssen Priorität haben.
  1. Artenvielfalt ernst nehmen: Klimaresistente Bäume allein reichen nicht. Wir brauchen Arten, die nicht nur überleben, sondern auch Lebensraum für Vögel und Insekten bieten.

Nicht denken, machen. Das ist mein Credo. Der Stohlmannplatz beweist: Wenn wir wollen, können wir Lebensraum schaffen. Warten wir nicht darauf, dass sich irgendwer um unsere Themen kümmert – gestalten wir sie selbst.