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kinderschutzbund, weltkindertag, gütersloh01. Okt. 2026

Was für ein Fest! Meine Eindrücke vom Weltkindertagsfest vor der Martin-Luther-Kirche

Was für ein Fest! Meine Eindrücke vom Weltkindertagsfest vor der Martin-Luther-Kirche

Am Samstag war ich zu Gast beim Fest zum Weltkindertag – und ich bin noch ganz erfüllt von diesem Nachmittag. Seit 2007 lädt der Kinderschutzbund Kreisverband Gütersloh jedes Jahr rund um den 20. September auf den Vorplatz der Martin-Luther-Kirche ein. In diesem Jahr fand das Fest bereits zum 18. Mal statt – und die Tausenden großen und kleinen Besucherinnen und Besucher haben wieder eindrucksvoll gezeigt, was für ein Herzensanliegen dieses Fest in unserer Stadt ist.

Musik von Kindern, für Kinder

Was dieses Fest jedes Jahr so besonders macht, ist das große Bühnenprogramm: Viele Gütersloher Schulen wirken mit – mit Musik, Tanz und Gesang. Da stehen Kinder und Jugendliche auf der Bühne im Schatten der Martin-Luther-Kirche, spielen Instrumente, singen, tanzen – und man spürt bei jedem Auftritt, wie viel Stolz und Freude darin steckt. Das Programm trägt zu Recht den Anspruch „von Kindern für Kinder“: Die Erwachsenen spielen hier nur die Nebenrolle, wie es der Vorsitzende des Gütersloher Kinderschutzbunds einmal so schön formuliert hat. Genau das macht dieses Fest aus – es feiert nicht über Kinder, sondern mit ihnen und lässt sie selbst gestalten.

Mir hat besonders gut gefallen, wie die musikalische Vielfalt unserer Schulen sichtbar wird. Wenn Schülerinnen und Schüler aus ganz unterschiedlichen Schulen hier gemeinsam auftreten, dann erleben wir gelebte Teilhabe mitten in unserer Innenstadt. Kinder aller Hintergründe stehen zusammen auf einer Bühne, Familien aus allen Stadtteilen kommen vorbei, Nachbarn treffen sich, tauschen sich aus – das ist Gemeinschaft, das ist Zusammenhalt, das ist Demokratie im besten Sinne: gelebtes Miteinander, bei dem niemand außen vor bleibt.

Dazu das bunte Rahmenprogramm, das der Kinderschutzbund Jahr für Jahr auf die Beine stellt: Kinderschminken, eine Hüpfburg, Kistenklettern und Kletterfelsen, leckere Waffeln, Luftballontiere, eine große Tombola, Stelzenläufer, und zwischendurch durften Kinder sogar mal in einen Rettungswagen der Malteser schauen. Man sieht: Hier wird mit Herzblut und viel ehrenamtlichem Engagement etwas aufgebaut, damit Kinder einen unvergesslichen Nachmittag erleben.

Mehr als ein Fest: Der ernste Hintergrund

Hinter all der Fröhlichkeit steht aber auch ein Ernst – und genau das macht die Arbeit des Kinderschutzbunds so wichtig. Der Weltkindertag geht zurück auf die Genfer Erklärung zum Schutz der Kinder von 1925 und die UN-Kinderrechtskonvention von 1989. Mit jedem Fest macht der Kinderschutzbund darauf aufmerksam, dass die Lage vieler Kinder in Deutschland zunehmend schwieriger wird: Kinderarmut, Gewalt in all ihren – auch weniger sichtbaren – Formen, ungleiche Bildungschancen. Frühere Feste standen unter Mottos wie „Gewalt ist mehr, als Du denkst!“ oder „Bildungschancen für alle Kinder!“ – Themen, die uns alle angehen und die ich auch politisch mitdenken werde.

Die wichtige Arbeit des Kinderschutzbunds Gütersloh

Wer hinter die Kulissen des Festes schaut, findet einen Verein, der seit über 60 Jahren eine verlässliche Stütze für Kinder, Jugendliche und Familien in schwierigen Lebenssituationen ist. Der Deutsche Kinderschutzbund versteht sich als „Lobby für Kinder“ – für Schutz vor Gewalt, gegen Kinderarmut und für die Umsetzung der Kinderrechte. Das gelingt mit einer bemerkenswerten Mischung aus professioneller und ehrenamtlicher Arbeit:

Die Beratungsstelle ist das Kerngeschäft: Pädagogisch, psychologisch und teilweise therapeutisch geschultes Personal unterstützt Familien dabei, mit Schwierigkeiten umzugehen – vertraulich und kostenfrei. Im vergangenen Jahr wurden allein 149 Kinder und Familien beraten, mit 131 Beratungen im Kreis Gütersloh und Verl.

Das Familiencafé ist ein kostbarer Ort der Begegnung: über 3.200 Besuche im vergangenen Jahr zeigen, wie sehr Familien niedrigschwellige Räume brauchen, um andere Eltern zu treffen, Erfahrungen auszutauschen und Freundschaften zu schließen – denn Eltern brauchen andere Eltern.

Familien- und Sportpatenschaften: Rund 25 ehrenamtliche Familienpaten begleiten Familien im Projekt „Hand in Hand“ – Entlastung für Eltern, stabile Bezugspersonen für Kinder. Und im Sportpatenprogramm erhalten aktuell 41 Kinder die Chance, in einem Verein Sport zu treiben, deren Familien sich das sonst kaum leisten könnten. Das ist gelebte Teilhabe im Alltag – ganz konkret, ganz wirkungsvoll.

Dazu kommen die Mädchengruppe „Powergirls“, das Faba-Naturprojekt, die Begleitung von Bereitschafts- und Dauerpflegefamilien und der Kleiderladen „Jacke wie Hose“ in der Marienstraße. Und als Verein mit Weitblick: Die kürzlich veröffentlichte Umfrage des Kinderschutzbunds zum Social-Media-Verbot hat exemplarisch gezeigt, wie die Stimmen von Kindern und Jugendlichen selbst in Debatten eingebracht werden können, die im Landtag NRW längst verhandelt werden.

Vergessen möchte ich auch den „Platz der Kinderrechte“ vor der Stadtbibliothek nicht – ein sichtbares und dauerhaftes Zeichen dafür, dass Kinderrechte in Gütersloh einen festen Ort haben.

Warum mich das politisch betrifft

Artikel 6 unseres Grundgesetzes nennt Pflege und Schutz der Kinder die natürliche Aufgabe der Eltern – und schließt ausdrücklich ein, dass die staatliche Gemeinschaft dort wacht und hilft, wo Familien Unterstützung brauchen. Genau an dieser Schnittstelle arbeitet der Kinderschutzbund jeden Tag: Er füllt die Lücken, die sonst zwischen Familie und Staat klaffen würden.

Aus meiner Sicht ergibt sich daraus ein klarer politischer Auftrag: Starken Eltern gehören starke Angebote. Familien brauchen verlässliche Beratungsangebote, attraktive Begegnungsräume und eine Infrastruktur, die den Alltag entlastet – von Betreuung über Beratung bis zu bezahlbaren Freizeitangeboten für alle Kinder. Dafür steht „Gleichstellung Familie“.

Zweitens: Teilhabe darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen. Ob ein Kind Musik machen kann, Sport treiben darf oder ins Ferienlager fahren kann, entscheidet sich heute zu oft am Haushaltseinkommen. Patenschaften wie das Sportpatenprogramm zeigen, wie man das ändern kann. Aber das darf kein patches Werk bleiben – Teilhabe braucht eine tragfähige, verlässliche Finanzierung.

Und drittens: All diese Arbeit wird hier vor Ort geleistet – von Vereinen, Ehrenamtlichen und Fachkräften in unseren Kommunen. Sie leisten Überlebenswichtiges, oft mit engen Budgets. Unsere Kommunen finanziell zu stärken heißt deshalb auch, genau diese Arbeit zu sichern. Dahinter steht mein Verständnis von Demokratie: Der Wandel, den wir gestalten wollen, beginnt nicht in Parlamenten, sondern auf Plätzen wie dem Vorplatz der Martin-Luther-Kirche. Eine starke Mitte, die alle mitnimmt, zeigt sich darin, dass wir denjenigen zuhören, deren Stimme leicht überhört wird – den Kindern. Ich danke dem Kinderschutzbund Gütersloh und allen Engagierten für dieses Fest und für die Arbeit, die dahintersteckt. Ihr habt mich tief beeindruckt.

Weltkindertag Gütersloh: Fest des Kinderschutzbunds vor der Martin-Lut | Frauke Großer