Wohnen in Gütersloh: Bezahlbar bleibt nur, wenn die Politik mitzieht
Bezahlbarer Wohnraum entscheidet über Bleiben oder Verdrängt werden. In Gütersloh zeigen sich die Konsequenzen täglich. Wer eine Wohnung sucht, weiß: Der freie Markt verlangt bis zu 14 Euro pro Quadratmeter. Für Familien, Pflegende und Alleinstehende ist das oft unerschwinglich. Ohne staatliche Unterstützung wird Wohnen zur Belastungsprobe.
Vor kurzem habe ich mit der SPD-Fraktion ein Neubaugebiet bei der Concept GT besichtigt. Was ich gesehen habe, bestätigt das Bild aus Gesprächen mit Bürgern: Die Herausforderungen sind groß, die Lösungen liegen bereit – aber sie brauchen Rückhalt durch Land und Bund.
Was vor Ort passiert: 594 Wohnungen im Wandel
Die Concept Gt verwaltet, als 100% Tochter der Stadt Gütersloh, aktuell 594 Wohnungen. Das durchschnittliche Baujahr liegt in den 1950er-Jahren – rund 75 Jahre sind diese Gebäude bereits alt. Sanierungsbedarf nach jedem Auszug ist die Regel, nicht die Ausnahme. Je nach Zustand und Alter müssen Investitionen getätigt werden, bevor neue Mieter einziehen können.
Der Anteil von Haushalten, deren Miete vom Jobcenter übernommen wird, liegt bei etwa 60 bis 70 Prozent. Das zeigt: Für viele Menschen ist Wohnen bereits heute die größte finanzielle Belastung. Wer ohne Förderung auf den freien Markt käme, stünde allein da.
Die Fluktuationsrate liegt bei circa 4 Prozent jährlich. Das klingt erst einmal überschaubar. Aber bei fast 600 Wohnungen bedeutet das: Immer wieder müssen neue Planungen für Sanierungen und Modernisierungen getroffen werden.
Die Zahlen, die niemand ignorieren kann
Im Jahr 2022 nach Gründung der concept GT wurden technische und wirtschaftliche Bewertungen aller städtischen Gebäude durchgeführt. Die Bilanz war eindeutig: Zu lange wurde nicht ausreichend investiert. Ein Sanierungsstau ist die logische Folge.
Laut Herrn Pförtner Baudezernent der Stadt Gütersloh und Geschäftsführer der Concept GT, liegt das aktuelle Marktmietniveau bei circa 14 Euro pro Quadratmeter für frei finanzierte Wohnungen. Bei geförderten Mieten durch Konzepte wie das der Concept GT landen wir hingegen bei 7,45 Euro pro Quadratmeter.
Auch der Dietmar Walter bestätigte in einem Vortrag beim Verband der Immobilienwirtschaft (VdW) diese Größenordnung. Nach seinen aktuellen Daten liegen die durchschnittlichen Herstellungskosten für Wohnraum in Großstädten bei etwa 4.400 Euro pro Quadratmeter. Seit 2021 sind Baukosten um 40 Prozent gestiegen – sowohl Lohn- als auch Personalkosten treiben die Preise weiter nach oben.
Ohne Förderung keine bezahlbaren Mieten
Die Mathematik dahinter ist klar. Ohne öffentliche Förderung wären Mieten von 17,50 bis 20 Euro pro Quadratmeter nötig. Aktuelle geförderte Wohnungen liegen bei 7,45 Euro. Die Differenz von über 10 Euro pro Quadratmeter ist kein Subventionsbonus für Besserverdiener. Es ist der gesellschaftliche Einsatz dafür, dass Menschen in ihrem Wohnort bleiben können.
Aktuell laufen mehrere Planungen parallel: Ein 5-Jahres-Plan mit Portfolio-Clustering zur strategischen Sanierung, die energetische Modernisierung bis 2045 (CO₂-neutraler Zielrahmen) und langfristige Architekturentwicklungen für eigene Planungskapazitäten. Doch ohne langfristige Förderung bleibt jede einzelne Maßnahme Stückwerk.
Förderanträge sind oft langwierig und kompliziert. Als Immobilienfachfrau weiß ich aus der Praxis: Selbst wenn 70 Wohneinheiten über Quarters-Förderung direkt über den Bund finanzierbar wären, erreichen diese Möglichkeiten viele Kommunen nicht.
Drei Forderungen an den Landtag
Als Landtagskandidatin für den Wahlkreis 95 (Gütersloh II) setze ich mich für drei konkrete Veränderungen ein:
Direkte Fördermittel statt Umwegen
Kommunen erhalten derzeit nur einen Bruchteil der Bundes-Sondervermögen. Ich fordere 80 Prozent direkte Weiterleitung an Städte und Gemeinden. Denn vor Ort weiß man am besten, wo Investitionen benötigt werden.
Bürokratieabbau bei Förderanträgen
Komplexe Prozesse hindern Kommunen daran, schnell zu handeln. Förderanträge müssen strafft werden. Ich kenne die Hürden aus der Praxis als Immobilienexpertin – und weiß, dass wir sie beseitigen müssen.
Eigenständige Wohnungsbaugesellschaften
Neubauprojekte benötigen Planungssicherheit über Jahre. Durch Grundstückskäufe und eigene Wohnungsbaugesellschaften können Städte unabhängiger von kurzfristigen Förderzusage-Zyklen agieren. NRW braucht wieder landeseigene Lösungen.
Fazit: Wohnen ist kein Luxus, sondern ein Grundrecht
Niemand sollte wegen der Höhe der Miete verdrängt werden. Die Kombination aus Bestandsmodernisierung und neuem, geförderten Wohnraum ist der einzige Weg, bezahlbaren Wohnraum in Gütersloh nachhaltig zu sichern.
Ich möchte im Landtag diese Stimme sein – für Kommunen, für Familien, für bezahlbares Wohnen. Nicht mit leeren Versprechungen, sondern mit klaren Zielen und der Kraft, die wir gemeinsam haben.
Kontakt & Austausch
Du hast Fragen zum Wohnungsmarkt in Gütersloh? Hast du Erfahrungen mit Mieterhöhungen, Sanierungen oder Fördermöglichkeiten? Ich bin im direkten Dialog. Schreib mir für ein Gespräch.